Kommunen
Aus den Bedürfnissen nach Verbundenheit ergibt sich eine (jederzeit in Bewegung befindliche) räumliche Verteilung der Menschen, und zwar sowohl im physischen Raum, als auch im ideellen Raum des gesamtgesellschaftlichen Verbindungsgeflechts. Indem innerhalb der Cluster vereinbart wird, wie die vielfältigen Verbindungs- und Individualbedürfnisse in Einklang gebracht werden können, entstehen Kommunen.
Kommunen sind in erster Linie die Epizentren der Verbindungen. Sie sind das, was wir* sehen, wenn wir* mit der Einstellung herangehen, dass die Verbindungen den Sinn des Lebens darstellen. Sie sind auch das personelle, aber nicht unbedingt räumliche Zentrum von Care, jedenfalls nicht mehr als sie das räumliche Zentrum der gesamten Kommune sind, da die Integration von Care in alle Lebensbereiche angestrebt wird und somit weitgehend ortsunabhängig möglich sein sollte. Auch wenn sich eine Kommune also als Dorf vorstellen lässt, so darf doch nicht davon ausgegangen werden sollte, dass Care im Wesentlichen innerhalb der örtlichen Grenzen dieses Dorfes oder gar innerhalb speziell ausgezeichneter Orte darin geleistet wird, sondern woimmer die Kommune ist, dort ist auch Care; Care ist somit genauso ortsunabhängig wie die Kommune selbst.
Da im wesentlichen alle produktiven Bedürfnisse auch Verbindungsbedürfnisse sind, sind die Kommunen (als Epizentren der Verbindungen) somit zugleich Epizentren der Bedürfnisse, somit ist es auch Aufgabe der Kommunen, auf die Bedürfnisse selbst Einfluss zu nehmen, d.h. durch entsprechende Wipro in derartiger Weise zu formen, dass sie mit den gesellschaftlichen Möglichkeiten erfüllbar sind. Da die Kommune das Epizentrum der Bedürfnisse ist, kann in ihr ja auch wesentlich auf die Motivation, Fähigkeiten etc., also die Beitragsdispositionen Einfluss genommen werden.
Es dürfte aber auch klar sein, dass Kommunen ebenso Konsumtionsgemeinschaften sein müssen, in dem Sinne, dass sie an der Produktion eines wesentlichen Teils der Güter, die sie konsumieren, nicht selbst beteiligt sein können.
Commons
Für den wesentlichen Teil der benötigten Güter wird die Kommune daher auf das Commons-System zurückgreifen müssen. Daher wollen wir nun einen genaueren Blick auf die Welt der Commons werfen.
Wir unerteilen die Commons grundsätzlich in Metacommons und Praxis-Commons, wobei hier die heuristische Konzeptionsgrundlage aus den vier Quadranten des Dragon Dreaming entnommen werden soll: Träumen, Planen, Handeln, Feiern, welche alle in einem Projekt etwa gleich stark repräsentiert sein sollten.

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Das Framework ist auf Projekte aller Größenordnung anwendbar, somit auch auf den gesamtgesellschaftlichen Produktionsprozess. Die Praxis-Commons sind – von dieser globalen Ebene aus betrachtet – nur für den Aspekt des Handelns zuständig. Entsprechend wird in Metacommons etwa dreimal soviel Aktivität stattfinden wie in Praxiscommons, wobei es natürlich dieselben Menschen sind, die an den jeweiligen Verbindungen beteiligt sind, wodurch das Inklu-Potenzial der Metacommons massiv auf die Praxiscommons durchschlagen kann (ich komme darauf zurück).
Metacommons mit ihren drei Aufgabengebieten Träumen/Informationssammlung, Planen und Feiern/Auswerten brechen die Vorstellung vom Individuum als kleine Schraube im System auf und eröffnen eine Weltsicht, die dem Permakultur-Prinzip think globally, act locally entspricht: Wir* kommen mit unseren* Verbindungen und Bedürfnissen, die sich in den Kommunen als Epizentren der Verbindungen und Bedürfnisse herausgebildet haben, in die Metacommons, um deren Erfüllung gesellschaftlich zu organisieren.
Durch Partizipation an den Wipro-Prozessen in den Metacommons wissen die Beteiligten, wie ihr Beitrag aus den Praxis-Commons in den gesamten Produktionsprozess eingebunden ist, insbesondere natürlich zur Herstellung der Produkte, die sie selbst am Ende benötigen, und sie gestalten diesen Prozess mit. Die Vermittlung zwischen den Produktionsstufen darf mensch sich daher (natürlich) nicht so vorstellen, dass irgendwo in der Mitte jemand Vorprodukte beschafft, weiterverarbeitet und dann an eine*n Abnehmer*in abgibt, und dass dadurch Lieferant* und Abnehmer*in vermittelt wären. Vielmehr hat die Vermittlung stets den gesamten Produktionsprozess zum Inhalt. Wenn es bei den Beiträgen der Indiviuen ein Problem gibt, dann sind diese also grundsätzlich in der Lage, die Gründe dahinter zu verstehen, bzw. die Vermittlung zielt zuvorderst darauf ab, ein solches Verständnis zu erreichen. Dabei ist es zunächst einmal völlig egal, durch wen die Vermittlung erfolgt, solange die Person ebenfalls ein Interesse am Verständnis des Produktionsprozess hat, da es sich um einen gemeinsamen Wipro-Prozess handelt. Um das Problem anschließend tatsächlich zu lösen, werden entsprechend viele Beteiligte in den Vermittlungsprozess eingebunden werden müssen, da eben regelmäßig auch viele Beteiligte in den Kausalzusammenhang des Produktionsprozesses eingebunden sind (anstatt die Sache durch den Markt oder eine zentrale Instanz regeln zu lassen).
Produktionsprozesse werden also dadurch organisiert, dass das gesamte Wissen darüber prinzipiell verfügbar ist, d.h. alles Wissen, was für mich* relevant werden könnte, sich einfach vermitteln lässt, und dass es durch dieses Wissen über den Produktionsprozess und damit auch prinzipielle (öffentliche) Kenntnis wesentlicher Dispositionen der Beteiligten meine* Bedürfnisse mit allen dafür relevanten Personen vermittelt werden können.
Entstehung der Struktur
Eine Commons- und Metacommons-Struktur wird natürlich nicht aus dem Nichts erschaffen. Sie muss von den bereits existierenden vielschichtigen Beziehungs- und Verbindungsstrukturen der (kapitalistischen) Welt ausgehen. Es muss darum gehen, die Einflussmöglichkeiten schrittweise dahin zu verschieben, wo diese tatsächlich gebraucht werden, also dahin, dass die Menschen ihre persönlichen Dispositionen bestmöglich mit dem gesellschaftlichen Prozess vermitteln können, sodass die Freiheit maximiert wird, also die nach allem vernünftigen Verständnis richtigen Entscheidungen im Voraus getroffen sind, aber nur soweit, dass sie mit der Tragweite entsprechendem Aufwand von denen, die sie betreffen, revidiert werden können.
Diese Verschiebung der Einflussmöglichkeiten wird dabei nicht von außen auferlegt, sondern den Subjekten werden durch Inklu-Kommunikation bzw. Vermittlung die Möglichkeiten an die Hand gegeben, um ihre eigene Macht-Mit auszubauen, d.h. ihre Handlungsfähigkeit im Einklang mit der Gesellschaft.
Diese Problematik ist eng verwandt mit dem Thema Care-für-alle, quasi dessen Verallgemeinerung volle gesellschaftliche Teilhabe für alle. In Kapitel 6 wurde bereits diskutiert, wie solche großen gesellschaftlichen Aufgaben verwirklicht werden können.
Zugriffsrechte
Commons zeichnen sich generell u.a. auch dadurch aus, dass sie ihre Produkte zur freien Verfügung bereitstellen. Es ist aber nicht so, dass ein Commons Dinge produziert, die dann einfach irgendwo rumliegen sodass alle sich bedienen können, und wer zu spät kommt hat halt Pech gehabt. Vielmehr produzieren Commons für (sich und) andere, wobei die anderen (die Abnehmenden) beliebig genau oder ungenau spezifiziert sein können (die Möglichkeit, dass alle sich einfach nehmen können ist also als Grenzfall durchaus gegeben). Entsprechend haben die Abnehmenden dann auch einen je priorisierten Zugriff.
Bei Software-, Kreativ- und Wissenscommons ist es natürlich problemlos möglich, das Erzeugnis ohne jede Einschränkung für alle frei verfügbar zu machen. Bei materiellen Commons hingegen wird vorab ein bestimmter Produktionszweck festgelegt sein, wodurch sich ein priorisierter Abnehmendenkreis ergibt, der zuerst im festgelegten Maße auf die Erzeugnisse zugreifen darf, und die tatsächlich freie Verfügung lediglich einen Überschuss betrifft, der sich aus einer problemlos erweiterbaren Produktionsmenge oder einem Wegfall ursprünglich antizipierter Nachfrage ergibt, oder falls andere ein (begründetermaßen) dringlicheres Bedürfnis haben sollten, wobei deren Verteilung dann wiederum, vermutlich auf spontanere Weise, geplant wird.
Freiwilligkeit und Motivation
Die Versorgung aller Subjekte ist kausal durch deren Beiträge
bedingt, in dem Sinne dass was ohnehin produziert wird bzw.
sich problemlos herstellen lässt, auch (im Rahmen der eben erwähnten
Zugangsregelungen) allen zur Verfügung steht, und was darüber
hinaus
gewünscht wird, auf die ein oder andere Weise durch den eigenen
gesellschaftlichen Beitrag erzielt wird.
Die Absicherung der Existenz darf letzten Endes nicht so gedacht werden, dass ohne eigenen Beitrag all unsere* Bedürfnisse erfüllt würden, sondern dass wir* alle Bedürfnisse gerade durch den Beitrag erfüllen können, den wir* leisten wollen.
In Metacommons, die ja schätzungsweise 75% des Commoning ausmachen werden, wird eine dauerhafte, wesentliche kreative Leistung vollzogen. Im Commonismus ist nicht Schluss, wenn erkannt wurde, dass sich ein Bedürfnis in der aktuellen Situation nicht erfüllen lässt, sondern es wird ein intensiver kreativer Prozess angestoßen, in welchem unter anderem stets die Möglichkeit dieser Bedürfniserfüllung ins Bewusstsein gerufen wird. Für mich* als Person, die das Bedürfnis hat, ist es offensichtlich, dass kein praktischer Handgriff dahingehend in Verbindung steht, dass er mich* der Erfüllung näherbringen könnte, sondern dass nur dieser kreative Prozess des Meta-Commoning zu einer Lösung führen kann. Kreative Wipro wird aber nunmal am besten ausgeschöpft, wenn viele Menschen eine Motivation zur Lösung des Problems haben, und mit vielen verschiedenen Kenntnissen und Sichtweisen gemeinsam ihre kreative Energie mobilisieren. Diese Energie freizusetzen wird regelmäßig der Mechanismus sein, durch den der eigene Beitrag zum Commoningprozess die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse aus dem Commoningprozess kausal herbeiführt.
Auch Umsorgte leisten dabei ihren Beitrag. Auch sie können an den Commons und Metacommons teilhaben, leidglich die Art, auf die sie dort einen gesellschaftlichen Nutzen erbringen, ist halt eine andere. Sie tun dies eben weniger auf eine Weise, die wir im allgemeinen Sprachgebrauch als produktiv bezeichnen, sondern indem sie ihre Inklu-Verbindungen pflegen und somit zu den Bedürfnissen in Verbindung beitragen. Sie leisten insbesondere einen Beitrag, indem sie um sich herum die Entstehung der besonders inklu-potenzialträchtigen Intercare-Verbindungen ermöglichen. Auf welche Weise Umsorgte einen Beitrag leisten können, wird z.B. sehr eindrucksvoll im Roman A Half-Built Garden von Ruthanna Emrys veranschaulicht, in welchem die Erde von Aliens besucht wird, bei denen es üblich ist, zu wichtigen Verhandlungen kleine Kinder mitzubringen, was das Konfliktpotenzial gewaltig entschärft.
Auf die ein oder andere Weise wollen alle Menschen beitragen (daher der Begriff produktive Bedürfnisse), und wir* wollen auf die Weise beitragen, wie es mit unseren* gegebenen Dispositionen am besten möglich ist.
Dabei ist insbesondere zu beachten, dass was zunächst als rein konsumtive Nutzenziehung aus dem gesellschaftlichen Prozess erscheint, ja immer auch der Befriedigung von Bedürfnissen produktiver Qualität dient und somit noch befriedigender sein muss, wenn es nicht bloß mit konsumtivem Charakter ausgeführt wird, sondern daraus tatsächlich ein gesellschaftlicher Nutzen gezogen werden kann.
Darüber hinaus ist mir*, wenn ich* die entsprechenden intellektuellen Fähigkeiten besitze, ein gesellschaftliche Beitrag i.d.R. am besten möglich durch eine Beteiligung i.e.S. an den Metacommons, d.h. in Verbindungen, wo tatsächlich intensiv über die Gestaltung des gesellschaftlichen Prozesses nachgedacht wird; und wenn ich* entsprechend leistungsfähig bin, kann ich* daraufhin bisherige Aufgaben der Verbundenen in den Commons übernehmen, damit diese von der Arbeit entlastet werden und ihre kreative Energie freisetzen können, um sich der Gestaltung des Prozesses zu widmen und damit die Einbeziehung meiner* Bedürfnisse sowie der Bedürfnisse mit mir* verbundener (potenziell umsorgter) Personen zu verbessern. Genau diese Entlastung zu ermöglichen, ist der zentrale Grund, warum Menschen nicht nur gerne auch einfache Aufgaben übernehmen werden, sondern warum diese Aufgaben tatsächlich in einem nicht-entfremdeten, spürbaren Zusammenhang mit ihren persönlichen Belangen stehen werden.

Die Organisation der notwendigen Arbeit für eine Kommune findet also in Metacommons statt, denen sich die Kommunen (bzw. bestimmte Verbindungen daraus) anschließen, und aus denen heraus dann vermittelt wird, welche Praxiscommons die Kommune versorgen können und in welchen Praxiscommons die Kommune selbst dafür beitragen kann.
Es gibt demnach sowohl Kommune-Metacommons- als auch
Metacommons-Praxiscommons-Schnittstellen: Die Menschen bringen
ihre
Verbindungen aus den Kommunen in die Metacommons mit, ebenso wie sie
ihre Verbindungen aus den Metacommons in die Praxiscommons
mitbringen,
wobei natürlich auch vom Metacommons ins Praxiscommons viele
mitkommen werden, die schon von der Kommune ins Metacommons
gekommen sind. Umgekehrt werden sich die
Kooperationsverbindungen der
Praxiscommons auch in den Metacommons wiederfinden, da es ja von
besonderem Interesse ist, die Beweggründe dieser
unmittelbar Verbundenen
nachvollziehen zu können und sie bei der Gestaltung zu
unterstützen.
Wie im ersten Kapitel erwähnt, sind Metacommons Prosumtionsgemeinschaften, da sie nicht bloß gemeinsame Produktion, sondern auch gemeinsame Nutzung im Sinne einer Nutzbarmachung der im gesellschaftlichen Prozess geschaffenen Produkte vollziehen, wobei diese durchaus z.T. auch konsumtiven Charakter im üblichen Sinne annehmen kann, da ja das Feiern einen der drei Hauptbestandteile des Metacommoning-Prozesses ausmacht.
Die Zusammenarbeit im Praxiscommons stellt quasi einen
Teilprozess des Metacommons dar und übernimmt daher auch seinen
prosumtiven Charakter, denn das Ziel ist ja weiterhin die gemeinsame
Nutzung durch das Metacommoning.
In den Commons habe ich* also, da ich* in die Metacommons des gesamten Produktionsprozesses eingebunden bin, ein Interesse daran, dass das Gesamtergebnis stimmt, und natürlich habe ich* auch Kenntnis davon, wodurch die anderen am Gesamtergebnis interessiert sind, insbesondere wenn sie direkte Kooperationspartner*innen sind.
Es muss ja betrachtet werden, wodurch die Arbeit im Praxiscommons denn ihre erfüllende Wirkung entfaltet, und das ist ja gerade bei der Rückkehr ins Metacommons der Fall. Natürlich übernimmt es nicht den kreativen Charakter, denn das Praxiscommons selbst braucht ja kein kreativer Prozess zu sein; es braucht sich also an sich nicht um einen zyklisch-kausalen Mechanismus zu handeln, bei dem es auf die gegenseitige vollumfängliche Erfüllung ankäme.
Jedoch schlägt ja die überlagernde Verbindung des Metacommons auf das Praxiscommons durch, zusätzlich zu etwaigen Wipro- und Intercare-Verbindungen, die es ins Praxiscommons zu integrieren gälte, wodurch auch in diesem letztlich wieder grenzenloses Inklu-Potenzial ermöglicht wird.
Aufhebung der Sphärentrennung

Wesentlich ist, dass die Beziehung der Arbeit mit dem restlichen Leben völlig anderer Natur ist als im Kapitalismus, wo wir eine harte Sphärentrennung zwischen Öffentlichkeit und Privatheit haben. Private Carearbeit ist dabei von der gesamten restlichen Welt abgeschieden, findet isoliert statt und erfordert vollstes Commitment, lässt daher wenig Raum für Selbstentfaltung. Was sich in der Carearbeit abspielt, interessiert außerhalb der Privatsphäre niemanden; mit Unterstützung kann nicht gerechnet werden, die Bedürfnisse werden ja nicht einmal wahrgenommen.

Umgekehrt ist das öffentliche soziale Berufsleben durch die Sphärentrennung vom Privatleben separiert: Da das Privatleben in der Öffentlichkeit niemanden interessiert, ist es auch für die Dinge, die sich am externen Arbeitsplatz abspielen, nicht relevant, sondern hat sich vielmehr danach zu richten, dass diese Dinge reibungslos funktionieren. Deshalb stellt der Beruf einen eigenen sozialen Lebensmittelpunkt dar, d.h. ich* muss (auch) im Berufsleben nach Befriedigung meiner* sozialen Bedürfnisse streben, und dies in einem sozialen Umfeld, das ich* mir* nicht aussuchen konnte, was ich* vielleicht nicht einmal vorher kannte und wo ich* nicht mitreden durfte, was aber in jedem Fall nicht ausschlaggebend für die Wahl der Tätigkeit war, sondern was ich* zwecks Ausführung der Tätigkeit hinnehmen muss. Dies muss ich* zunächst einmal unmittelbar deshalb tun, weil ich* nunmal sehr viel Zeit dort verbringe und in dieser Zeit kein anderes Sozialleben habe, ich* muss aber auch aus materiellen Gründen für ein vernünftiges Funktionieren der Beziehungen am Arbeitsplatz sorgen, da davon auch meine* Karriere und somit meine* materielle Existenz abhängt.
In der Inklu hingegen lautet die Frage: Wie können wir die restlichen Wirtschaftszweige [außer Care], etwa die Güterproduktion, so organisieren, dass sie unsere Beziehungen unterstützen? Statt: Wie können wir unsere Beziehungen so gestalten, dass sie die Güterproduktion unterstützen oder dieser zumindest nicht in die Quere kommen? (Helfrich 2017) Hier gibt es keine Sphärentrennung. Carearbeit findet nicht in der
Abgeschiedenheit eines Privatlebens statt, sondern
überall,
ist also in das allgemeine gesellschaftliche Leben verwoben und
wird von
allen mitgestaltet.
In Metacommons, und darüber vermittelt in Praxis-Commons, wird nicht
nur gemeinschaftlich konsumiert, sondern wird auch das Leben
in die Arbeit (also das Commoning) integriert –
Care, Intercare, Verbindungen, Spiel, Exploration,
grundlos schöne
Dinge… all dies bereichert die Grundlage dessen, worum es beim
Commoning
geht, also die Verbindungen jenseits der rein pragmatischen,
die in den Commons bestehen. Dadurch eröffnen sich
Anknüpfungspunkte für
gemeinsame Bedürfnisse und damit
Inklusionslinien. Diese Elemente
des Lebens sind Gegenstand der ständigen Wipro, somit auch der
Kreativität als grundlage ganzheitlicher zyklisch-kausaler
Inklusionsmöglichkeiten.
In einer eindimensional nach Commons strukturierten Welt dient jedes Commons einem bestimmten Zweck. Der Zweck ist die Konstante des Commons. Die Menschen können wechseln, die Verbindungen sich verändern, aber der Zweck bleibt. Es gilt daher: Keine Gemeinschaft ohne Zweck, kein Leben außerhalb des Zwecks. Eine Reduktion der Utopie auf die Commons stellt eine verkürzte Sichtweise dar, in der das gesamte Leben letztlich wieder äußerlich gesetzten Zwecken unterworfen wird.

Kommunen sind die logische Erweiterung der Sichtweise, um dieses Problem zu lösen. Sie sind kein zusätzliches Element, was den Commons noch hinzugefügt wird und strikt getrennt von ihnen existiert, sondern sie stellen eine alternative Sichtweise auf die gleiche Welt dar. Wo die Commons sind, sind auch Kommunen, und wo die Kommunen sind, da sind auch Commons. Deshalb stellt die Commons-Kommunen-Utopie nicht etwa eine Reproduktion der Sphärentrennung dar, sondern vielmehr deren Aufhebung. Es handelt sich um eine duale Sichtweise: Das eine blickt auf die Beziehungen, das Leben und den Sinn dahinter, das andere auf die Herstellung der materiellen Lebensbedingungen. Die Elemente des einen sind die Verbindungen zwischen den Elementen des anderen.
Eine solche kreuzweise Überlagerung von Commons und Kommunen ist viel besser geeignet, die Sphärentrennung aufzuheben, als Care-Commons, die ja dann neben den anderen Commons existieren und somit durch die Trennung von Care- und sonstigen Commons wieder eine Sphärentrennung erzeugen würden.
Viele Care-Tätigkeiten fallen nur an, weil Kinder, Alte, Kranke, Verwirrte etc. weggesondert werden. Und sie werden deshalb weggesperrt, weil sie die Effizienz des Arbeitsalltags stören. Wenn Tätigwerden nicht mehr der Verwertungslogik unterworfen ist, können Menschen wieder integrierter miteinander leben. (Habermann 2016, 79f)
Ander als Berufe stellen die Commons so keine Bruchstellen dar, an denen von der Außenwelt separierte soziale Kontexte geschaffen werden, sondern in den prosumtiven Metacommons treffen die originären sozialen Kontexte der Kommunen (und die derivativen sozialen Kontexte der Praxiscommons) aufeinander, werden einbezogen und zu etwas Größerem vereinigt.
Da Commoning zur Befriedigung gesamtgesellschaftlicher Bedürfnisse dient und die Einbeziehung der Bedürfnisse maßgeblich durch die Commoners selbst erfolgt (wobei durch deren Inklu-Beziehungen sichergestellt wird, dass sie die allgemeinen gesellschaftlichen Bedürfnisse berücksichtigen; dies wird im Folgenden näher erläutert), ist ihr persönlicher sozialer Kontext im Commons nicht aufgebrochen; ich* erscheine dort nicht als isoliertes Individuum und sehe mich einer neuen, fremdbestimmten sozialen Umgebung ausgeliefert, sondern bringe mein persönliches soziales Umfeld mit: Einerseits, wie bereits angesprochen, indem wir* als Verbindung von der Kommune ins Metacommons und vom Metacommons ins Praxiscommons gehen, zum anderen im transpersonalen Sinne dass in den Metacommons sichergestellt wird, dass die persönlichen Bedürfnisse der Menschen aus meinem* sozialen Umfeld mit einbezogen werden, und umgekehrt die Kommune sich (ebenfalls über die Metacommons vermittelt) auch an den Bedürfnissen der Commons orientiert; das ganzheitliche, zyklisch-kausale Metacommons als Schnittstelle stellt das sicher.
Denn indem ich* meinen sozialen Kontext mitbringe, werde ich* als Mensch-in-Verbindung in diesem Kontext gesehen. Die Verbindungen werden vereinigt, die Bedürfnisse aus bestehenden Verbindungen werden in die Prosumtionsgemeinschaft eingebracht, werden zu gemeinsamen Verbindungsbedürfnissen aufgehoben. Ich* bin in diesem neuen Kontext nicht bloß Commoner, sondern behalte zugleich die Rollen all meiner* Verbindungen innerhalb des Lebens; unmittelbar darauf folgend erhalte ich* sogleich genuin neue Rollen des Lebens, die sich erst durch die Vereinigung der Verbindungen ergeben. Ich* werde somit auf vielschichtige Weise durch den Beitrag zu den Verbindungsbedürfnissen meiner* Commons und Metacommons wertvoll, insbesondere durch den kreativen Beitrag, den ich für die Gestaltung und Integration all unserer Lebensbereiche einbringen kann.
Rang und Macht in Commons
Für die Organisation der Commons bedeutet dies, dass es dort zwar
eine Art Rangordnung geben wird, diese aber nicht im Sinne
einer Hierarchie von oben nach unten, sondern von innen nach außen zu
denken ist. Der zentrale Unterschied ist, dass wer von einem Zentrum aus
betrachtet außen steht, gleichzeitig mitten in einem
anderen
Zentrum stehen kann. Die Organisation der Inklu erlaubt mir*, eine
Perspektive einzunehmen, wo ich* selbst im Zentrum stehe, da durch die
Arbeit kein zentraler sozialer Kontext konstruiert wird.
Wenn ich* in einem Commons nur eine Randfunktion
übernehme, bleibe ich* in dieser Rolle trotzdem als Mensch mit all
meinen* zentralen Bedeutungen, die ich* außerhalb des
Commons
wahrnehme, bestehen und gesehen. Ich* habe daher eine ganz
andere
Bedürfniswelt als wenn ich* auf meine* Commonsrolle
reduziert
wäre, und somit auch andere
Befriedigungsmöglichkeiten. Mein*
Wohlbefinden ist nicht (ausschließlich) vom
Commoning-Erfolg
abhängig, sondern weiterhin in all meinen* Verbindungen des
Lebens
verwurzelt. Ich* bin damit weit weniger emotional abhängig
davon,
innerhalb des Commons meine* soziale Stellung zu behaupten, und
dadurch
vielmehr in der Lage, mich* auf die Bedürfnisse der Gemeinschaft
einzulassen.
Literatur
Habermann, F. (2016). Ecommony: UmCare zum Miteinander. Ulrike Helmer, Sulzbach am Taunus.
Verfügbar über keimform.de.
Helfrich, S. (2017). Care Commons. Beziehungen unterstützen. Contraste.
Online auf commonsblog.wordpress.com.

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