Ein Netzwerk mit mehreren Clustern (Verdichtungen), die in verschiedenen Farben leuchten.

14. Commons und Kommunen

Aus den Be­dürf­nis­sen nach Ver­bun­den­heit er­gibt sich ei­ne (je­der­zeit in Be­we­gung be­find­li­che) räum­li­che Ver­tei­lung der Men­schen, und zwar so­wohl im phy­si­schen Raum, als auch im ide­el­len Raum des ge­samt­ge­sell­schaft­li­chen Ver­bin­dungs­ge­flechts. In­dem in­ner­halb der Cluster ver­ein­bart wird, wie die viel­fäl­ti­gen Ver­bin­dungs- und In­di­vi­dual­be­dürf­nis­se in Ein­klang ge­bracht wer­den kön­nen, ent­ste­hen Kom­mu­nen.

Kom­mu­nen sind in ers­ter Li­nie die Epi­zen­tren der Ver­bin­dun­gen. Sie sind das, was wir* se­hen, wenn wir* mit der Ein­stel­lung her­an­ge­hen, dass die Ver­bin­dun­gen den Sinn des Le­bens dar­stel­len. Sie sind auch das per­so­nel­le, aber nicht un­be­dingt räum­li­che Zen­trum von Ca­re, je­den­falls nicht mehr als sie das räumliche Zentrum der gesamten Kommune sind, da die In­te­gra­ti­on von Ca­re in al­le Le­bens­be­rei­che an­ge­strebt wird und so­mit weit­ge­hend orts­un­ab­hän­gig mög­lich sein soll­te. Auch wenn sich ei­ne Kom­mu­ne al­so als Dorf vor­stel­len lässt, so darf doch nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den soll­te, dass Ca­re im We­sent­li­chen in­ner­halb der ört­li­chen Gren­zen die­ses Dor­fes oder gar in­ner­halb spe­zi­ell aus­ge­zeich­ne­ter Or­te dar­in ge­leis­tet wird, son­dern wo­im­mer die Kom­mu­ne ist, dort ist auch Ca­re; Ca­re ist so­mit ge­nau­so orts­un­ab­hän­gig wie die Kom­mu­ne selbst.

Da im we­sent­li­chen al­le pro­duk­ti­ven Be­dürf­nis­se auch Ver­bin­dungs­be­dürf­nis­se sind, sind die Kom­mu­nen (als Epi­zen­tren der Ver­bin­dun­gen) so­mit zu­gleich Epi­zen­tren der Be­dürf­nis­se, so­mit ist es auch Auf­ga­be der Kom­mu­nen, auf die Be­dürf­nis­se selbst Ein­fluss zu neh­men, d.h. durch ent­spre­chen­de Wi­pro in der­ar­ti­ger Wei­se zu for­men, dass sie mit den ge­sell­schaft­li­chen Mög­lich­kei­ten er­füll­bar sind. Da die Kom­mu­ne das Epi­zen­trum der Be­dürf­nis­se ist, kann in ihr ja auch we­sent­lich auf die Mo­ti­va­ti­on, Fä­hig­keiten etc., al­so die Bei­trags­dis­po­si­tio­nen Ein­fluss ge­nom­men wer­den.

Es dürf­te aber auch klar sein, dass Kom­mu­nen eben­so Kon­sum­ti­ons­ge­mein­schaf­ten sein müs­sen, in dem Sin­ne, dass sie an der Pro­duk­ti­on ei­nes we­sent­li­chen Teils der Gü­ter, die sie kon­su­mie­ren, nicht selbst be­tei­ligt sein kön­nen.

Für den we­sent­li­chen Teil der be­nö­tig­ten Gü­ter wird die Kom­mu­ne da­her auf das Com­mons-Sys­tem zu­rück­grei­fen müs­sen. Da­her wol­len wir nun ei­nen ge­naue­ren Blick auf die Welt der Com­mons wer­fen.

Wir un­er­tei­len die Com­mons grund­sätz­lich in Me­ta­com­mons und Pra­xis-Com­mons, wo­bei hier die heu­ris­ti­sche Kon­zep­ti­ons­grund­la­ge aus den vier Qua­dran­ten des Dra­gon Drea­ming ent­nom­men wer­den soll: Träu­men, Pla­nen, Han­deln, Fei­ern, wel­che al­le in ei­nem Pro­jekt et­wa gleich stark re­prä­sen­tiert sein soll­ten.

Das Dragon Dreaming Projektrad, mit den vier Quadranten (im Uhrzeigersinn): Träumen, Feiern, Handeln, Planen. Die Quadranten sind mit zugehörigen Zielen und Aktivitäten beschriftet: Träumen mit Informationen sammeln, Motivation und Bewusstsein, Feiern mit Unterscheidende Weisheit, Ergebnisse übertragen und Neue Fähigkeiten aneignen, Handeln mit Umsetzung, Verwaltung & Management und Fortschritt überwachen, und Planen mit Alternativen bedenken, Strategien entwickeln und Testen/Pilotprojekte. Dazwischen sind zwei orthogonale Achsen eingezeichnet: einmal zwischen Theorie und Praxis, wobei Planen und Träumen zur Theorie und Handeln und Feiern zur Praxis gehören, und einmal zwischen Umwelt und Individuum, wobei Planen und Handeln zur Umwelt und Träumen und Feiern zum Individuum gehören. Diese Achsen spielen für unsere Commons-Konzeption allerdings keine Rolle. Das Verständnis von Praxis in Praxis-Commons ist ein anderes als das in der Theorie-Praxis-Achse.
Das DragonDreaming-Projektrad. Metacommons sind zuständig für die Sektoren Träumen, Planen und Feiern, Praxiscommons (nur) für den Aspekt des Handelns.
Bildquelle: dragondreaming.org
Lizenz: CC BY-NC-ND

Das Frame­work ist auf Pro­jek­te al­ler Größen­ord­nung an­wend­bar, so­mit auch auf den ge­samt­ge­sell­schaft­li­chen Pro­duk­ti­ons­pro­zess. Die Pra­xis-Com­mons sind – von die­ser glo­ba­len Ebe­ne aus be­trach­tet – nur für den As­pekt des Han­delns zu­stän­dig. Ent­spre­chend wird in Me­ta­com­mons et­wa drei­mal so­viel Ak­ti­vi­tät statt­fin­den wie in Pra­­xis­com­mons, wo­bei es na­tür­lich die­sel­ben Men­schen sind, die an den je­wei­li­gen Ver­bin­dun­gen be­tei­ligt sind, wo­durch das In­klu-Po­ten­zi­al der Me­ta­com­mons mas­siv auf die Pra­xis­com­mons durch­schla­gen kann (ich kom­me dar­auf zu­rück).

Me­ta­com­mons mit ih­ren drei Auf­ga­ben­ge­bie­ten Träu­men/In­for­ma­ti­ons­samm­lung, Pla­nen und Fei­ern/Aus­wer­ten bre­chen die Vor­stel­lung vom In­di­vi­du­um als klei­ne Schrau­be im Sys­tem auf und er­öff­nen ei­ne Welt­sicht, die dem Per­ma­kul­tur-Prin­zip think glo­bal­ly, act lo­cal­ly ent­spricht: Wir* kom­men mit un­se­ren* Ver­bin­dun­gen und Be­dürf­nis­sen, die sich in den Kom­mu­nen als Epi­zen­tren der Ver­bin­dun­gen und Be­dürf­nis­se her­aus­ge­bil­det ha­ben, in die Me­ta­com­mons, um de­ren Er­fül­lung ge­sell­schaft­lich zu or­ga­ni­sie­ren.

Durch Par­ti­zi­pa­ti­on an den Wi­pro-Pro­zes­sen in den Me­ta­com­mons wis­sen die Be­tei­lig­ten, wie ihr Bei­trag aus den Pra­xis-Com­mons in den ge­sam­ten Pro­duk­ti­ons­pro­zess ein­ge­bun­den ist, ins­be­son­de­re na­tür­lich zur Her­stel­lung der Pro­duk­te, die sie selbst am En­de be­nö­ti­gen, und sie ge­stal­ten die­sen Pro­zess mit. Die Ver­mitt­lung zwi­schen den Pro­duk­ti­ons­stu­fen darf mensch sich da­her (na­tür­lich) nicht so vor­stel­len, dass ir­gend­wo in der Mit­te je­mand Vor­pro­duk­te be­schafft, wei­ter­ver­ar­bei­tet und dann an ei­ne*n Ab­neh­mer*in ab­gibt, und dass da­durch Lie­fe­rant* und Ab­neh­mer*in ver­mit­telt wä­ren. Viel­mehr hat die Ver­mitt­lung stets den ge­sam­ten Pro­duk­ti­ons­pro­zess zum In­halt. Wenn es bei den Bei­trä­gen der In­di­vi­uen ein Pro­blem gibt, dann sind die­se al­so grund­sätz­lich in der La­ge, die Grün­de da­hin­ter zu ver­ste­hen, bzw. die Ver­mitt­lung zielt zu­vor­derst dar­auf ab, ein sol­ches Ver­ständ­nis zu er­rei­chen. Da­bei ist es zu­nächst ein­mal völ­lig egal, durch wen die Ver­mitt­lung er­folgt, so­lan­ge die Per­son eben­falls ein In­ter­es­se am Ver­ständ­nis des Pro­duk­ti­ons­pro­zess hat, da es sich um ei­nen ge­mein­sa­men Wi­pro-Pro­zess han­delt. Um das Pro­blem an­schlie­ßend tat­säch­lich zu lö­sen, wer­den ent­spre­chend vie­le Be­tei­lig­te in den Ver­mitt­lungs­pro­zess ein­­ge­­bun­den wer­den müs­sen, da eben re­gel­mä­ßig auch vie­le Be­tei­lig­te in den Kau­sal­zu­sam­men­hang des Pro­duk­tions­pro­zes­ses ein­ge­bun­den sind (an­statt die Sa­che durch den Markt oder ei­ne zen­tra­le In­stanz re­geln zu las­sen).

Pro­duk­ti­ons­pro­zes­se wer­den al­so da­durch or­ga­ni­siert, dass das ge­sam­te Wis­sen dar­über prin­zi­pi­ell ver­füg­bar ist, d.h. al­les Wis­sen, was für mich* re­le­vant wer­den könn­te, sich ein­fach ver­mit­teln lässt, und dass es durch die­ses Wis­sen über den Pro­duk­ti­ons­pro­zess und da­mit auch prin­zi­pi­el­le (öf­fent­li­che) Kennt­nis we­sent­li­cher Dis­po­si­tio­nen der Be­tei­lig­ten mei­ne* Be­dürf­nis­se mit al­len da­für re­le­van­ten Per­so­nen ver­mit­telt wer­den kön­nen.

Ei­ne Com­mons- und Me­ta­com­mons-Struk­tur wird na­tür­lich nicht aus dem Nichts er­schaf­fen. Sie muss von den be­reits exis­tie­ren­den viel­schich­ti­gen Be­zie­hungs- und Ver­bin­dungs­struk­tu­ren der (ka­pi­ta­lis­ti­schen) Welt aus­ge­hen. Es muss dar­um ge­hen, die Ein­fluss­mög­lich­kei­ten schritt­wei­se da­hin zu ver­schie­ben, wo die­se tat­säch­lich ge­braucht wer­den, al­so da­hin, dass die Men­schen ih­re per­sön­li­chen Dis­po­si­tio­nen best­mög­lich mit dem ge­sell­schaft­li­chen Pro­zess ver­mit­teln kön­nen, so­dass die Frei­heit ma­xi­miert wird, al­so die nach al­lem ver­nünf­ti­gen Ver­ständ­nis rich­ti­gen Ent­schei­dun­gen im Vor­aus ge­trof­fen sind, aber nur so­weit, dass sie mit der Trag­wei­te ent­spre­chen­dem Auf­wand von de­nen, die sie be­tref­fen, re­vi­diert wer­den kön­nen.

Die­se Ver­schie­bung der Ein­fluss­mög­lich­kei­ten wird da­bei nicht von au­ßen auf­er­legt, son­dern den Sub­jek­ten wer­den durch In­klu-Kom­mu­ni­ka­ti­on bzw. Ver­mitt­lung die Mög­lich­kei­ten an die Hand ge­ge­ben, um ih­re ei­ge­ne Macht-Mit aus­zu­bau­en, d.h. ih­re Hand­lungs­fä­hig­keit im Ein­klang mit der Ge­sell­schaft.

Die­se Pro­ble­ma­tik ist eng ver­wandt mit dem The­ma Ca­re-für-al­le, qua­si des­sen Ver­all­ge­mei­ne­rung vol­le ge­sell­schaft­li­che Teil­ha­be für al­le. In Ka­pi­tel 6 wur­de be­reits dis­ku­tiert, wie sol­che gro­ßen ge­sell­schaft­li­chen Auf­ga­ben ver­wirk­licht wer­den kön­nen.

Com­mons zeich­nen sich ge­ne­rell u.a. auch da­durch aus, dass sie ih­re Pro­duk­te zur frei­en Ver­fü­gung be­reit­stel­len. Es ist aber nicht so, dass ein Com­mons Din­ge pro­du­ziert, die dann ein­fach ir­gend­wo rum­lie­gen so­dass al­le sich be­die­nen kön­nen, und wer zu spät kommt hat halt Pech ge­habt. Viel­mehr pro­du­zie­ren Com­mons für (sich und) an­de­re, wo­bei die an­de­ren (die Ab­neh­menden) be­lie­big ge­nau oder un­ge­nau spe­zi­fi­ziert sein kön­nen (die Mög­lich­keit, dass al­le sich ein­fach neh­men kön­nen ist al­so als Grenz­fall durch­aus ge­ge­ben). Ent­spre­chend ha­ben die Ab­neh­menden dann auch ei­nen je prio­ri­sier­ten Zu­griff.

Bei Soft­ware-, Krea­tiv- und Wis­sens­com­mons ist es na­tür­lich pro­blem­los mög­lich, das Er­zeug­nis oh­ne je­de Ein­schrän­kung für al­le frei ver­füg­bar zu ma­chen. Bei ma­te­ri­el­len Com­mons hin­ge­gen wird vor­ab ein be­stimm­ter Pro­duk­ti­ons­zweck fest­ge­legt sein, wo­durch sich ein prio­ri­sier­ter Ab­neh­menden­kreis er­gibt, der zu­erst im fest­ge­leg­ten Ma­ße auf die Er­zeug­nis­se zu­grei­fen darf, und die tat­säch­lich freie Ver­fü­gung le­dig­lich ei­nen Über­schuss be­trifft, der sich aus ei­ner pro­blem­los er­wei­ter­ba­ren Pro­duk­ti­ons­men­ge oder ei­nem Weg­fall ur­sprüng­lich an­ti­zi­pier­ter Nach­fra­ge er­gibt, oder falls an­de­re ein (be­grün­de­ter­ma­ßen) dring­li­che­res Be­dürf­nis ha­ben soll­ten, wo­bei de­ren Ver­tei­lung dann wie­der­um, ver­mut­lich auf spon­ta­ne­re Wei­se, ge­plant wird.

Die Ver­sor­gung al­ler Sub­jek­te ist kau­sal durch de­ren Bei­trä­ge be­dingt, in dem Sin­ne dass was oh­ne­hin pro­du­ziert wird bzw. sich pro­blem­los her­stel­len lässt, auch (im Rah­men der eben er­wähn­ten Zu­gangs­re­ge­lun­gen) al­len zur Ver­fü­gung steht, und was dar­über hin­aus ge­wünscht wird, auf die ein oder an­de­re Wei­se durch den ei­ge­nen ge­sell­schaft­li­chen Bei­trag er­zielt wird.

Die Ab­si­che­rung der Exis­tenz darf letz­ten En­des nicht so ge­dacht wer­den, dass oh­ne ei­ge­nen Bei­trag all un­se­re* Be­dürf­nis­se er­füllt wür­den, son­dern dass wir* al­le Be­dürf­nis­se ge­ra­de durch den Bei­trag er­fül­len kön­nen, den wir* leis­ten wol­len.

In Me­ta­com­mons, die ja schät­zungs­wei­se 75% des Com­mo­n­ing aus­ma­chen wer­den, wird ei­ne dau­er­haf­te, we­sent­li­che krea­ti­ve Leis­tung voll­zo­gen. Im Com­mo­nis­mus ist nicht Schluss, wenn er­kannt wur­de, dass sich ein Be­dürf­nis in der ak­tu­el­len Si­tua­ti­on nicht er­fül­len lässt, son­dern es wird ein in­ten­si­ver krea­ti­ver Pro­zess an­ge­sto­ßen, in wel­chem un­ter an­de­rem stets die Mög­lich­keit die­ser Be­dürf­nis­er­fül­lung ins Be­wusst­sein ge­ru­fen wird. Für mich* als Per­son, die das Be­dürf­nis hat, ist es of­fen­sicht­lich, dass kein prak­ti­scher Hand­griff da­hin­ge­hend in Ver­bin­dung steht, dass er mich* der Er­fül­lung nä­her­brin­gen könn­te, son­dern dass nur die­ser krea­ti­ve Pro­zess des Me­ta-Com­mo­n­ing zu ei­ner Lö­sung füh­ren kann. Krea­ti­ve Wi­pro wird aber nun­mal am bes­ten aus­ge­schöpft, wenn vie­le Men­schen ei­ne Mo­ti­va­ti­on zur Lö­sung des Pro­blems ha­ben, und mit vie­len ver­schie­de­nen Kennt­nis­sen und Sicht­wei­sen ge­mein­sam ih­re krea­ti­ve En­er­gie mo­bi­li­sie­ren. Die­se En­er­gie frei­zu­set­zen wird re­gel­mä­ßig der Me­cha­nis­mus sein, durch den der ei­ge­ne Bei­trag zum Com­mo­n­ingpro­zess die Er­fül­lung der ei­ge­nen Be­dürf­nis­se aus dem Com­mo­n­ingpro­zess kau­sal herbeiführt.

Auch Um­sorg­te leis­ten da­bei ih­ren Bei­trag. Auch sie kön­nen an den Com­mons und Me­ta­com­mons teil­ha­ben, leid­g­lich die Art, auf die sie dort ei­nen ge­sell­schaft­li­chen Nut­zen er­brin­gen, ist halt ei­ne an­de­re. Sie tun dies eben we­ni­ger auf ei­ne Wei­se, die wir im all­ge­mei­nen Sprach­ge­brauch als pro­duk­tiv be­zeich­nen, son­dern in­dem sie ih­re In­klu-Ver­bin­dun­gen pfle­gen und so­mit zu den Be­dürf­nis­sen in Ver­bin­dung bei­tra­gen. Sie leis­ten ins­be­son­de­re ei­nen Bei­trag, in­dem sie um sich her­um die Ent­ste­hung der be­son­ders in­klu-po­ten­zi­al­träch­ti­gen In­ter­ca­re-Ver­bin­dun­gen er­mög­li­chen. Auf wel­che Wei­se Um­sorg­te ei­nen Bei­trag leis­ten kön­nen, wird z.B. sehr ein­drucks­voll im Ro­man A Half-Built Garden von Ruthan­na Em­rys ver­an­schau­licht, in wel­chem die Er­de von Aliens be­sucht wird, bei de­nen es üb­lich ist, zu wich­ti­gen Ver­hand­lungen klei­ne Kin­der mit­zu­bringen, was das Kon­flikt­po­ten­zial ge­wal­tig ent­schärft.

Auf die ein oder an­de­re Wei­se wol­len al­le Men­schen bei­tra­gen (da­her der Begriff pro­duk­ti­ve Be­dürf­nis­se), und wir* wol­len auf die Wei­se bei­tra­gen, wie es mit un­se­ren* ge­ge­be­nen Dis­po­si­tio­nen am bes­ten mög­lich ist.

Da­bei ist ins­be­son­de­re zu be­ach­ten, dass was zu­nächst als rein kon­sum­ti­ve Nut­zen­zie­hung aus dem ge­sell­schaft­li­chen Pro­zess er­scheint, ja im­mer auch der Be­frie­di­gung von Be­dürf­nis­sen pro­duk­ti­ver Qua­li­tät dient und so­mit noch be­frie­di­gen­der sein muss, wenn es nicht bloß mit kon­sum­ti­vem Cha­rak­ter aus­ge­führt wird, son­dern dar­aus tat­säch­lich ein ge­sell­schaft­li­cher Nut­zen ge­zo­gen wer­den kann.

Dar­über hin­aus ist mir*, wenn ich* die ent­spre­chen­den in­tel­lek­tu­el­len Fä­hig­kei­ten be­sit­ze, ein ge­sell­schaft­li­che Bei­trag i.d.R. am bes­ten mög­lich durch ei­ne Be­tei­li­gung i.e.S. an den Me­ta­com­mons, d.h. in Ver­bin­dun­gen, wo tat­säch­lich in­ten­siv über die Ge­stal­tung des ge­sell­schaft­li­chen Pro­zes­ses nach­ge­dacht wird; und wenn ich* ent­spre­chend leis­tungs­fä­hig bin, kann ich* dar­auf­hin bis­he­ri­ge Auf­ga­ben der Ver­bun­de­nen in den Com­mons über­neh­men, da­mit die­se von der Ar­beit ent­las­tet wer­den und ih­re krea­ti­ve En­er­gie frei­set­zen kön­nen, um sich der Ge­stal­tung des Pro­zes­ses zu wid­men und da­mit die Ein­be­zie­hung mei­ner* Be­dürf­nis­se so­wie der Be­dürf­nis­se mit mir* ver­bun­de­ner (po­ten­zi­ell um­sorg­ter) Per­so­nen zu ver­bes­sern. Ge­nau die­se Ent­las­tung zu er­mög­li­chen, ist der zen­tra­le Grund, wa­rum Men­schen nicht nur ger­ne auch ein­fa­che Auf­ga­ben über­neh­men wer­den, son­dern wa­rum die­se Auf­ga­ben tat­säch­lich in ei­nem nicht-ent­frem­de­ten, spür­ba­ren Zu­sam­men­hang mit ih­ren per­sön­li­chen Be­lan­gen ste­hen wer­den.

Ein Pfeildiagramm mit zwei Blasen, beschriftet mit Metacommons und Praxiscommons. In jeder Blase ist eine Figur abgebildet. Die Figur im Metacommons ist in einer Denkpose, beschriftet mit "Planung für eigene Bedürfnisse".
Die Figur im Praxiscommons geht einer schweren Tätigkeit nach. Der Pfeil von Metacommons nach Praxiscommons ist beschriftet mit "Entlastung", der umgekehrte Pfeil mit "Unterstützung der Planung". Die Bedeutung ist, dass die Person im Metacommons die Person im Praxiscommons entlastet, damit diese umgekehrt im Metacommons unterstützen kann, was auch den Bedürfnissen ersterer Person zugute kommt.

Die Or­ga­ni­sa­ti­on der not­wen­di­gen Ar­beit für ei­ne Kom­mu­ne fin­det al­so in Me­ta­com­mons statt, de­nen sich die Kom­mu­nen (bzw. be­stimm­te Ver­bin­dun­gen dar­aus) an­schlie­ßen, und aus de­nen her­aus dann ver­mit­telt wird, wel­che Pra­xis­com­mons die Kom­mu­ne ver­sor­gen kön­nen und in wel­chen Pra­xis­com­mons die Kom­mu­ne selbst da­für bei­tra­gen kann.

Es gibt dem­nach so­wohl Kom­mu­ne-Me­ta­com­mons- als auch Me­ta­com­mons-Pra­xis­com­mons-Schnitt­stel­len: Die Men­schen brin­gen ih­re Ver­bin­dun­gen aus den Kom­mu­nen in die Me­ta­com­mons mit, eben­so wie sie ih­re Ver­bin­dun­gen aus den Me­ta­com­mons in die Pra­xis­com­mons mit­brin­gen, wo­bei na­tür­lich auch vom Me­ta­com­mons ins Pra­xis­com­mons vie­le mit­kom­men wer­den, die schon von der Kom­mu­ne ins Me­ta­com­mons ge­kom­men sind. Um­ge­kehrt wer­den sich die Ko­ope­ra­ti­ons­ver­bin­dun­gen der Pra­xis­com­mons auch in den Me­ta­com­mons wie­der­fin­den, da es ja von be­son­de­rem In­ter­es­se ist, die Be­weg­grün­de die­ser un­mit­tel­bar Ver­bun­de­nen nach­voll­zie­hen zu kön­nen und sie bei der Ge­stal­tung zu un­ter­stüt­zen.

Wie im ers­ten Ka­pi­tel er­wähnt, sind Me­ta­com­mons Pro­sum­ti­ons­ge­mein­schaf­ten, da sie nicht bloß ge­mein­sa­me Pro­duk­ti­on, son­dern auch ge­mein­sa­me Nut­zung im Sin­ne ei­ner Nutz­bar­ma­chung der im ge­sell­schaft­li­chen Pro­zess ge­schaf­fe­nen Pro­duk­te voll­zie­hen, wo­bei die­se durch­aus z.T. auch kon­sum­ti­ven Cha­rak­ter im üb­li­chen Sin­ne an­neh­men kann, da ja das Fei­ern ei­nen der drei Haupt­be­stand­tei­le des Me­ta­com­mo­n­ing-Pro­zes­ses aus­macht.

Die Zu­sam­men­ar­beit im Pra­xis­com­mons stellt qua­si ei­nen Teil­pro­zess des Me­ta­com­mons dar und über­nimmt da­her auch sei­nen pro­sum­ti­ven Cha­rak­ter, denn das Ziel ist ja wei­ter­hin die ge­mein­sa­me Nut­zung durch das Me­ta­com­mo­n­ing.

In den Com­mons ha­be ich* al­so, da ich* in die Me­ta­com­mons des ge­sam­ten Pro­duk­ti­ons­pro­zes­ses ein­ge­bun­den bin, ein In­ter­es­se dar­an, dass das Ge­samt­er­geb­nis stimmt, und na­tür­lich ha­be ich* auch Kennt­nis da­von, wo­durch die an­de­ren am Ge­samt­er­geb­nis in­ter­es­siert sind, ins­be­son­de­re wenn sie di­rek­te Ko­ope­ra­ti­ons­part­ner*in­nen sind.

Es muss ja be­trach­tet wer­den, wo­durch die Ar­beit im Pra­xis­com­mons denn ih­re er­fül­len­de Wir­kung ent­fal­tet, und das ist ja ge­ra­de bei der Rück­kehr ins Me­ta­com­mons der Fall. Na­tür­lich über­nimmt es nicht den krea­ti­ven Cha­rak­ter, denn das Pra­xis­com­mons selbst braucht ja kein krea­ti­ver Pro­zess zu sein; es braucht sich al­so an sich nicht um ei­nen zy­klisch-kau­sa­len Me­cha­nis­mus zu han­deln, bei dem es auf die ge­gen­sei­ti­ge voll­um­fäng­li­che Er­fül­lung an­kä­me.

Je­doch schlägt ja die über­la­gern­de Ver­bin­dung des Me­ta­com­mons auf das Pra­xis­com­mons durch, zu­sätz­lich zu et­wai­gen Wi­pro- und In­ter­ca­re-Ver­bin­dun­gen, die es ins Pra­xis­com­mons zu in­te­grie­ren gäl­te, wo­durch auch in die­sem letzt­lich wie­der gren­zen­lo­ses In­klu-Po­ten­zi­al er­mög­licht wird.

Eine große Blase mit Aufschrift "Meta-Commons", und viele kleine Blasen mit Aufschrift "Kommune" und "Praxis-Commons", die alle über das Metacommons miteinander verbunden sind.

We­sent­lich ist, dass die Be­zie­hung der Ar­beit mit dem rest­li­chen Le­ben völ­lig an­de­rer Na­tur ist als im Ka­pi­ta­lis­mus, wo wir ei­ne har­te Sphä­ren­tren­nung zwi­schen Öf­fent­lich­keit und Pri­vat­heit ha­ben. Pri­va­te Care­ar­beit ist da­bei von der ge­sam­ten rest­li­chen Welt ab­ge­schie­den, fin­det iso­liert statt und er­for­dert volls­tes Com­mit­ment, lässt da­her we­nig Raum für Selbst­ent­fal­tung. Was sich in der Care­ar­beit ab­spielt, in­ter­es­siert au­ßer­halb der Pri­vat­sphä­re nie­man­den; mit Un­ter­stüt­zung kann nicht ge­rech­net wer­den, die Be­dürf­nis­se wer­den ja nicht ein­mal wahr­ge­nom­men.

Zwei große Sphären mit Aufschrift "Beruf", dazwischen und daneben viele kleine Sphären mit Aufschrift "PV" für Privatheit. Gezackte Linien zwischen allen Sphären symbolisieren die Sphärentrennung.

Um­ge­kehrt ist das öf­fent­li­che so­zia­le Be­rufs­le­ben durch die Sphä­ren­tren­nung vom Pri­vat­le­ben se­pa­riert: Da das Pri­vat­le­ben in der Öf­fent­lich­keit nie­man­den in­ter­es­siert, ist es auch für die Din­ge, die sich am ex­ter­nen Ar­beits­platz ab­spie­len, nicht re­le­vant, son­dern hat sich viel­mehr da­nach zu rich­ten, dass die­se Din­ge rei­bungs­los funk­tio­nie­ren. Des­halb stellt der Be­ruf ei­nen ei­ge­nen so­zia­len Le­bens­mit­tel­punkt dar, d.h. ich* muss (auch) im Be­rufs­le­ben nach Be­frie­di­gung mei­ner* so­zia­len Be­dürf­nis­se stre­ben, und dies in ei­nem so­zia­len Um­feld, das ich* mir* nicht aus­su­chen konn­te, was ich* viel­leicht nicht ein­mal vor­her kann­te und wo ich* nicht mit­re­den durf­te, was aber in je­dem Fall nicht aus­schlag­ge­bend für die Wahl der Tä­tig­keit war, son­dern was ich* zwecks Aus­füh­rung der Tä­tig­keit hin­neh­men muss. Dies muss ich* zu­nächst ein­mal un­mit­tel­bar des­halb tun, weil ich* nun­mal sehr viel Zeit dort ver­brin­ge und in die­ser Zeit kein an­de­res So­zi­al­le­ben ha­be, ich* muss aber auch aus ma­te­ri­el­len Grün­den für ein ver­nünf­ti­ges Funk­tio­nie­ren der Be­zie­hun­gen am Ar­beits­platz sor­gen, da da­von auch mei­ne* Kar­rie­re und so­mit mei­ne* ma­te­ri­el­le Exis­tenz ab­hängt.

In der In­klu hin­ge­gen lau­tet die Fra­ge: Wie kön­nen wir die rest­li­chen Wirt­schafts­zwei­ge [au­ßer Ca­re], et­wa die Gü­ter­pro­duk­ti­on, so or­ga­ni­sie­ren, dass sie un­se­re Be­zie­hun­gen un­ter­stüt­zen? Statt: Wie kön­nen wir un­se­re Be­zie­hun­gen so ge­stal­ten, dass sie die Gü­ter­pro­duk­ti­on un­ter­stüt­zen oder die­ser zu­min­dest nicht in die Que­re kom­men? (Helfrich 2017) Hier gibt es kei­ne Sphä­ren­tren­nung. Care­ar­beit fin­det nicht in der Ab­ge­schie­den­heit ei­nes Pri­vat­le­bens statt, son­dern über­all, ist al­so in das all­ge­mei­ne ge­sell­schaft­li­che Le­ben ver­wo­ben und wird von al­len mit­ge­stal­tet.

In Me­ta­com­mons, und dar­über ver­mit­telt in Pra­xis-Com­mons, wird nicht nur ge­mein­schaft­lich kon­su­miert, son­dern wird auch das Le­ben in die Ar­beit (al­so das Com­mo­n­ing) in­te­griert – Ca­re, In­ter­ca­re, Ver­bin­dun­gen, Spiel, Ex­plo­ra­ti­on, grund­los schö­ne Din­ge… all dies be­rei­chert die Grund­la­ge des­sen, wor­um es beim Com­mo­n­ing geht, al­so die Ver­bin­dun­gen jen­seits der rein prag­ma­ti­schen, die in den Com­mons be­ste­hen. Da­durch er­öff­nen sich An­knüp­fungs­punk­te für ge­mein­sa­me Be­dürf­nis­se und da­mit In­klu­si­ons­li­ni­en. Die­se Ele­men­te des Le­bens sind Ge­gen­stand der stän­di­gen Wi­pro, so­mit auch der Krea­ti­vi­tät als grund­la­ge ganz­heit­li­cher zy­klisch-kau­sa­ler In­klu­si­ons­mög­lich­kei­ten.

In ei­ner ein­di­men­sio­nal nach Com­mons struk­tu­rier­ten Welt dient je­des Com­mons ei­nem be­stimm­ten Zweck. Der Zweck ist die Kon­stan­te des Com­mons. Die Men­schen kön­nen wech­seln, die Ver­bin­dun­gen sich ver­än­dern, aber der Zweck bleibt. Es gilt da­her: Kei­ne Ge­mein­schaft oh­ne Zweck, kein Le­ben au­ßer­halb des Zwecks. Ei­ne Re­duk­ti­on der Uto­pie auf die Com­mons stellt ei­ne ver­kürz­te Sicht­wei­se dar, in der das ge­sam­te Le­ben letzt­lich wie­der äu­ßer­lich ge­setz­ten Zwe­cken un­ter­wor­fen wird.

Ineinander verwobene orthogonale Stränge, in der Vertikalen bezeichnet mit "Kommunen", in der Horizontalen mit "Commons". Die unterschiedliche Färbung der Commons zeigt an, dass es sich sowohl um Meta- als auch um Praxiscommons handelt.

Kom­mu­nen sind die lo­gi­sche Er­wei­te­rung der Sicht­wei­se, um die­ses Pro­blem zu lö­sen. Sie sind kein zu­sätz­li­ches Ele­ment, was den Com­mons noch hin­zu­ge­fügt wird und strikt ge­trennt von ih­nen exis­tiert, son­dern sie stel­len ei­ne al­ter­na­ti­ve Sicht­wei­se auf die glei­che Welt dar. Wo die Com­mons sind, sind auch Kom­mu­nen, und wo die Kom­mu­nen sind, da sind auch Com­mons. Des­halb stellt die Com­mons-Kom­mu­nen-Uto­pie nicht et­wa ei­ne Re­pro­duk­ti­on der Sphä­ren­tren­nung dar, son­dern viel­mehr de­ren Auf­he­bung. Es han­delt sich um ei­ne dua­le Sicht­wei­se: Das ei­ne blickt auf die Be­zie­hun­gen, das Le­ben und den Sinn da­hin­ter, das an­de­re auf die Her­stel­lung der ma­te­ri­el­len Le­bens­be­din­gun­gen. Die Ele­men­te des ei­nen sind die Ver­bin­dun­gen zwi­schen den Ele­men­ten des an­de­ren.

Ei­ne sol­che kreuz­wei­se Über­la­ge­rung von Com­mons und Kom­mu­nen ist viel bes­ser ge­eig­net, die Sphä­ren­tren­nung auf­zu­he­ben, als Ca­re-Com­mons, die ja dann ne­ben den an­de­ren Com­mons exis­tie­ren und so­mit durch die Tren­nung von Ca­re- und sons­ti­gen Com­mons wie­der ei­ne Sphä­ren­tren­nung er­zeu­gen wür­den.

Vie­le Ca­re-Tä­tig­kei­ten fal­len nur an, weil Kin­der, Al­te, Kran­ke, Ver­wirr­te etc. weg­ge­son­dert wer­den. Und sie wer­den des­halb weg­ge­sperrt, weil sie die Ef­fi­zi­enz des Ar­beits­all­tags stö­ren. Wenn Tä­tig­wer­den nicht mehr der Ver­wer­tungs­lo­gik un­ter­wor­fen ist, kön­nen Men­schen wie­der in­te­grier­ter mit­ein­an­der le­ben. (Habermann 2016, 79f)

An­der als Be­ru­fe stel­len die Com­mons so kei­ne Bruch­stel­len dar, an de­nen von der Au­ßen­welt se­pa­rier­te so­zia­le Kon­tex­te ge­schaf­fen wer­den, son­dern in den pro­sum­ti­ven Me­ta­com­mons tref­fen die ori­gi­nä­ren so­zia­len Kon­tex­te der Kom­mu­nen (und die de­ri­va­ti­ven so­zia­len Kon­tex­te der Pra­xis­com­mons) auf­ein­an­der, wer­den ein­be­zo­gen und zu et­was Grö­ße­rem ver­ei­nigt.

Da Com­mo­n­ing zur Be­frie­di­gung ge­samt­ge­sell­schaft­li­cher Be­dürf­nis­se dient und die Ein­be­zie­hung der Be­dürf­nis­se maß­geb­lich durch die Com­moners selbst er­folgt (wo­bei durch de­ren In­klu-Be­zie­hun­gen si­cher­ge­stellt wird, dass sie die all­ge­mei­nen ge­sell­schaft­li­chen Be­dürf­nis­se be­rück­sich­ti­gen; dies wird im Fol­gen­den nä­her er­läu­tert), ist ihr per­sön­li­cher so­zia­ler Kon­text im Com­mons nicht auf­ge­bro­chen; ich* er­schei­ne dort nicht als iso­lier­tes In­di­vi­du­um und se­he mich ei­ner neu­en, fremd­be­stimm­ten so­zia­len Um­ge­bung aus­ge­lie­fert, son­dern brin­ge mein per­sön­li­ches so­zia­les Um­feld mit: Ei­ner­seits, wie be­reits an­ge­spro­chen, in­dem wir* als Ver­bin­dung von der Kom­mu­ne ins Me­ta­com­mons und vom Me­ta­com­mons ins Pra­xis­com­mons ge­hen, zum an­de­ren im trans­per­so­na­len Sin­ne dass in den Me­ta­com­mons si­cher­ge­stellt wird, dass die per­sön­li­chen Be­dürf­nis­se der Men­schen aus mei­nem* so­zia­len Um­feld mit ein­be­zo­gen wer­den, und um­ge­kehrt die Kom­mu­ne sich (eben­falls über die Me­ta­com­mons ver­mit­telt) auch an den Be­dürf­nis­sen der Com­mons ori­en­tiert; das ganz­heit­li­che, zy­klisch-kau­sa­le Me­ta­com­mons als Schnitt­stel­le stellt das si­cher.

Denn in­dem ich* mei­nen so­zia­len Kon­text mit­brin­ge, wer­de ich* als Mensch-in-Ver­bin­dung in die­sem Kon­text ge­se­hen. Die Ver­bin­dun­gen wer­den ver­ei­nigt, die Be­dürf­nis­se aus be­ste­hen­den Ver­bin­dun­gen wer­den in die Pro­sum­ti­ons­ge­mein­schaft ein­ge­bracht, wer­den zu ge­mein­sa­men Ver­bin­dungs­be­dürf­nis­sen auf­ge­ho­ben. Ich* bin in die­sem neu­en Kon­text nicht bloß Com­moner, son­dern be­hal­te zu­gleich die Rol­len all mei­ner* Ver­bin­dun­gen in­ner­halb des Le­bens; un­mit­tel­bar dar­auf fol­gend er­hal­te ich* so­gleich ge­nu­in neue Rol­len des Le­bens, die sich erst durch die Ver­ei­ni­gung der Ver­bin­dun­gen er­ge­ben. Ich* wer­de so­mit auf viel­schich­ti­ge Wei­se durch den Bei­trag zu den Ver­bin­dungs­be­dürf­nis­sen mei­ner* Com­mons und Me­ta­com­mons wert­voll, ins­be­son­de­re durch den krea­ti­ven Bei­trag, den ich für die Ge­stal­tung und In­te­gra­ti­on all un­se­rer Le­bens­be­rei­che ein­brin­gen kann.

Für die Or­ga­ni­sa­ti­on der Com­mons be­deu­tet dies, dass es dort zwar ei­ne Art Rang­ord­nung ge­ben wird, die­se aber nicht im Sin­ne ei­ner Hier­ar­chie von oben nach un­ten, son­dern von in­nen nach au­ßen zu den­ken ist. Der zen­tra­le Un­ter­schied ist, dass wer von ei­nem Zen­trum aus be­trach­tet au­ßen steht, gleich­zei­tig mit­ten in ei­nem an­de­ren Zen­trum ste­hen kann. Die Or­ga­ni­sa­ti­on der In­klu er­laubt mir*, ei­ne Per­spek­ti­ve ein­zu­neh­men, wo ich* selbst im Zen­trum ste­he, da durch die Ar­beit kein zen­tra­ler so­zia­ler Kon­text kon­stru­iert wird.

Wenn ich* in ei­nem Com­mons nur ei­ne Rand­funk­ti­on über­neh­me, blei­be ich* in die­ser Rol­le trotz­dem als Mensch mit all mei­nen* zen­tra­len Be­deu­tun­gen, die ich* au­ßer­halb des Com­mons wahr­neh­me, be­ste­hen und ge­se­hen. Ich* ha­be da­her ei­ne ganz an­de­re Be­dürf­nis­welt als wenn ich* auf mei­ne* Com­mons­rol­le re­du­ziert wä­re, und so­mit auch an­de­re Be­frie­di­gungs­mög­lich­kei­ten. Mein* Wohl­be­fin­den ist nicht (aus­schließ­lich) vom Com­mo­n­ing-Er­folg ab­hän­gig, son­dern wei­ter­hin in all mei­nen* Ver­bin­dun­gen des Le­bens ver­wur­zelt. Ich* bin da­mit weit we­ni­ger emo­tio­nal ab­hän­gig da­von, in­ner­halb des Com­mons mei­ne* so­zia­le Stel­lung zu be­haup­ten, und da­durch viel­mehr in der La­ge, mich* auf die Be­dürf­nis­se der Ge­mein­schaft ein­zu­las­sen.

Literatur

Habermann, F. (2016). Ecommony: UmCare zum Miteinander. Ulrike Helmer, Sulzbach am Taunus.
Verfügbar über keimform.de.

Helfrich, S. (2017). Care Commons. Beziehungen unterstützen. Contraste.
Online auf commonsblog.wordpress.com.

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